// Jutta Bosch

1960 wurde ich in München als zweites von vier Kindern geboren, in eine Familie, die der Kunst und Musik sehr zugewandt war und ist. Das Malen und Zeichnen war mein ständiger Begleiter, und ich wurde nach Kräften gefördert.
Nach der Schule absolvierte ich die Studiengänge Industrial Design an der FH München, Graphic Art an der Polish University, London, und Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste München als Meisterschülerin bei Hans Ladner. Mit Begeisterung betrieb ich das Naturstudium, das mir den Blick dafür öffnete, in die Tiefe zu sehen und die Wunder und Schönheit aller Existenz zu erkennen. Die Holzbildhauerlehre war für mich das Fundament der handwerklichen Umsetzung. Ich lernte Form und Raum zu begreifen. Ein überzeugender Lehrer war mir darin Albert Krottenthaler.
1990 heiratete ich Christof Bosch, der mir durch seine liebevolle Unterstützung den großen Rahmen für diese Entfaltung ermöglichte. Wir gingen auf Reisen, und ich hatte große Freude daran, in Indien und Afrika Landschaften und Leute zu aquarellieren. Nach einem Sommeraufenthalt 1991 bei Hermann Nitsch in Salzburg begann ich großformatig zu malen und angelernte Konventionen über Bord zu werfen. Das Augenmerk der Arbeiten richtete sich immer mehr auf die innere Welt. An Matthias Grünewald bewunderte ich die Innigkeit, an William Turner Licht, Raum und Weite, an Claude Monet die Vielschichtigkeit, Transparenz und Endlosigkeit – besonders in seinen Seerosenbildern -, an Caspar David Friedrich den Frieden und die Harmonie, an Georgia O’Keefe die spirituelle Kraft und in den Arbeiten von Josef Beuys den unmittelbaren Ausdruck seiner Seele. Mit Staunen sah und hörte ich, wie der russische Filmregisseur Andrei Tarkowski in seinem Film «Das Opfer» seine Bildästhetik mit der «Erbarme dich» - Arie aus Bachs Matthäuspassion zu einer kraftvollen Erscheinung verdichtete.
Angestoßen durch die Musik von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven begann die schöpferische Quelle neu zu fließen. Ich liebe diese Musik und die Quelle, der sie entspringt. In den letzten 13 Jahren entstanden die Continua Passio, Requiem, Nacht, Das Eine, Life, Casta Diva und Mon Coeur. Auch meine Kinder Meta, Lukas und Elias kamen in diesem Zeitraum auf die Welt. Die Gemälde entstehen direkt auf die Musik bezogen. Es ist wunderbar, wenn ich mich vollständig auf die Musik einlasse und mich von ihr leiten lasse.
Mich interessiert die Verbundenheit der Dinge miteinander, das Eins-Werden von Formen, Farben und Klängen und das Teil-Werden am großen Ganzen. Das Licht und die ewig andauernde Veränderung im Zentrum unserer selbst ist das große Geheimnis und Thema für mich geworden.